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Vertragsnaturschutz „Lebensraum Acker“

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Allgemein

Im Rahmen des Wiener Vertragsnaturschutz-Programms „Lebensraum Acker“ der Umweltschutz-Abteilung der Stadt Wien MA 22 werden Felder oder Feldstücke von Wiener LandwirtInnen aus der Produktion genommen und gegen eine vertragliche Entschädigung als Naturschutzflächen gepflegt. Hier finden seltene und gefährdete Arten der Wiener Kulturlandschaft (zB. Kornrade, Ziesel, Rebhuhn) einen neuen Lebensraum. Die sogenannte funktionelle Biodiversität (Nützlinge, Bestäuber) wird gefördert, was sich positiv auf die angrenzenden Kulturflächen auswirkt. Der Erholungswert der Ackerlandschaft wird erhöht. Die Bio Forschung Austria betreut die derzeit 72 Flächen mit zusammen über 33 ha, erstellt die Pflegepläne und führt begleitende botanische und zoologische Untersuchungen zur Qualitätssicherung der Naturschutzflächen durch.

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Projektziele

– Laufende Evaluierung der Vertragsnaturschutzflächen in Wien, Betreuung der LandwirtInnen, Festlegung und Kontrolle der Pflegemaßnahmen- Naturschutzfachliche Beweissicherung der positiven Auswirkungen des Vertragsnaturschutzes durch Vegetations- und Laufkäfer-Monitoring- Öffentlichkeitsarbeit

Ausgangslage

Im Rahmen des Wiener Vertragsnaturschutz-Programms „Lebensraum Acker“ der Umweltschutz-Abteilung der Stadt Wien MA 22 werden Felder oder Feldstücke von Wiener LandwirtInnen aus der Produktion genommen und gegen eine vertragliche Entschädigung als Naturschutzflächen gepflegt. Hier finden seltene und gefährdete Arten der Wiener Kulturlandschaft (zB. Kornrade, Ziesel, Rebhuhn) einen neuen Lebensraum. Die sogenannte funktionelle oder biologische Vielfalt bezeichnet die Verschiedenheit unter lebenden Organismen und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören. Biodiversität wird gefördert, was sich positiv auf die angrenzenden  land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen, unproduktive Flächen, wie nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Flächen oder das nicht mehr genutzte Grünland, Gewässerflächen, Moorflächen, Gebäude- und Hofflächen sowie Parkanlagen und Kulturflächen auswirkt. Der Erholungswert der Ackerlandschaft wird erhöht.

Umsetzung

Die Bio Forschung Austria betreut die derzeit 72 Flächen mit zusammen über 33 ha, erstellt die Pflegepläne und führt begleitende botanische und zoologische Untersuchungen zur Qualitätssicherung der Naturschutzflächen durch.

Lebensräume

Wiener Vertragsnaturschutzprogramm „Lebensraum Acker“: Bauern produzieren Vielfalt

Im Stadtgebiet von Wien liegen 5.200 Hektar Ackerland, die aufgrund langjähriger intensiver Düngung, Herbizidanwendung und Beseitigung von Landschaftselementen oft einen geringen Naturschutzwert haben. Im Jahr 2001 wurde daher (nach Prüfung durch die Europäische Union) das Wiener Vertragsnaturschutzprogramm „Lebensraum Acker“ gestartet. Die Ziele des Programms sind: Förderung der Biodiversität, Erhaltung und Neuschaffung von Lebensräumen für gefährdete Pflanzen- und Tierarten der Ackerlandschaft, Förderung der sogenannten funktionellen Biodiversität (Nützlinge, Bestäuber) in angrenzenden Ackerflächen. Positive Nebeneffekte des Programms sind die Verbesserung der Attraktivität und des Erholungswerts der Kulturlandschaft sowie ein Beitrag zum Einkommen der Wiener LandwirtInnen.

In einem 1998 angelaufenen Vorbereitungsprojekt der Bio Forschung Austria wurden geeignete Pflegemaßnahmen erprobt sowie ein Ablaufschema des Programms entwickelt. Wichtig von Beginn an war der sogenannte „Bottom up“-Ansatz: Vertragsbedingungen, Pflege-Schemata und Förderhöhe wurden mit Vertretern der Wiener Landwirtschaft abgesprochen, womit die Voraussetzung für eine hohe Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft der Wiener LandwirtInnen geschaffen war. Heute wird das Projekt als gelungenes Beispiel für einen Schulterschluß zwischen Landwirtschaft und Naturschutz angesehen.

Die LandwirtInnen bieten freiwillig Flächen zur Teilnahme an. Diese werden hinsichtlich ihres Naturschutz-Potentials von Bio Forschung Austria evaluiert. Bei Annahme schließen die LandwirtInnen einen Vertrag mit der MA 22-Umweltschutz für eine 5-jährige Förderungsperiode ab, wobei im Gegensatz zum ÖPUL-Programm ein Ausstieg laufend möglich ist. Bio Forschung Austria beobachtet die Flächen laufend zur Anpassung der Pflegemaßnahmen. Damit wird auch dem Aufkommen von Problem-Unkräutern und möglichen Konflikten mit Anrainern vorgebeugt.

Je nach Ausgangssituation der Vertragsnaturschutz-Flächen gibt es im wesentlichen drei Entwicklungsziele mit entsprechenden Pflegemaßnahmen: „Naturschutz-Brachen“ werden auf vorher intensiv bewirtschafteten Äckern auf fetten Böden mit geringem Potential für eine artenreiche Vegetationsentwicklung angelegt. Hier wurden artenreiche „Voitsauer Wildblumen-Mischungen“ angesät und je nach Bedarf gemulcht, auf etwa zwei Drittel der derzeitigen Flächen. Etwa 1/3 der Flächen wird als „artenreiche Trockenwiesen“ gepflegt, meist auf trockenen, mageren Böden, die ein gutes Potential für eine spontane Vegetationsentwicklung in Richtung Halbtrockenrasen erkennen ließen. Diese Flächen werden regelmäßig gemäht. Auf einzelnen Feldern, wo eine artenreiche Unkrautvegetation zu erwarten war, werden „Wildkraut-Schutzäcker“ angelegt. Hier wird ein extensiver Wintergetreideanbau mit jährlichem Bodenumbruch simuliert, wobei auf anderen Naturschutzfeldern abgeerntete Unkräuter unter dünn angesätem Roggen als Deckfrucht angesät werden. In der Nachbarschaft zu Hecken oder Trockenrasen wurden auch einige Randbiotope durch händische Ansaat von spezielle Trockenrasen-Mischungen begründet.

Zur Beweissicherung des Naturschutzwertes der Vertragsnaturschutzflächen werden auf einigen ausgewählten Flächen seit dem Jahr 2000 jährlich die Entwicklung der Vegetation erhoben (SCHMID 2008) sowie ein Laufkäfer-Monitoring durchgeführt. Es konnten damit hohe Artenzahlen und das Auftreten seltener, wertvoller Arten nachgewiesen werden, aber auch, dass bei geeignetem Management keine Problem-Unkrautarten aufkommen und die angrenzenden Äcker gefährden.

 

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