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Grundsätze

Entwicklung und Grundsätze

Ludwig Maurer

Ludwig Maurer

Rechtlich relevante Vorschriften

Rechtlich relevante Vorschriften für den Biologischen Landbau

Das heutige Institut BIO FORSCHUNG AUSTRIA wurde 1980 als Ludwig Boltzmann Institut für Biologischen Landbau und Angewandte Ökologie gegründet. Die Motivation der öffentlichen Hand, die damalige Institutsgründung zu unterstützen, war der dringende Bedarf zur Erstellung objektivierbarer Beurteilungskriterien für die damals zunehmende  Menge an Bioprodukten am Lebensmittelmarkt. Von der etablierten Agrarwelt bestenfalls mit einem müden Lächeln bedacht, präsentierten sich Bioprodukte überwiegend als alternative Ernährungsgrundlage für umweltbewusste KonsumentInnen.

Die erste Aufgabenstellung des Instituts bestand daher darin, Richtlinien für den Biologischen Landbau in Österreich zu erstellen. Gemeinsam mit den Verbänden der biologisch wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern Österreichs wurden Rahmenrichtlinien für den Biologischen Landbau ausgearbeitet, die sowohl von den biologisch-dynamischen als auch den organisch-biologischen Anbauverbänden akzeptiert wurden. Diese Rahmenrichtlinien dienten in weiterer Folge als Grundlage für die Verhandlungen der Österreichischen Lebensmittelcodexkommission zur Erstellung einer Regelung für den Biologischen Landbau. Ab 1983 wurde dann kontinuierlich ein Regelwerk für den Biolandbau im Rahmen des Kapitels A8 des Österreichischen Lebensmittelbuches veröffentlicht. Damit war Östereich das erste Land weltweit mit einer behördlich anerkannten Regelung für den biologischen Landbau. Dieses Regelwerk war dann bis zum EU Beitritt Österreichs  die Grundlage für die Kontrolle des Biologischen Landbaus durch die Lebensmittelbehörden. Auch die nach Beitritt Österreichs zur Europäischen Union rechtswirksam werdende EU-Verordnung für den Ökologischen Landbau (derzeit: EU-VO 834/07) weist die gleiche Grundsatzphilosophie wie die österreichische Regelung auf: Die Art und Weise der Herstellung von landwirtschaftlichen Urprodukten und daraus hergestellter Folgeprodukte wird geregelt und nicht die Eigenschaften der Produkte.

Bis heute ist das Institut in dieser gründungsauslösenden Fragestellung involviert.

Wissenschaft

Wissenschaftliche Grundlagen für den Biologischen Landbau

Ebenso wie es vor 1980 keine rechtlich relevante Regelung für den Biologischen Landbau in Österreich gab, mangelte es auch an allgemein anerkannten wissenschaftlichen Grundlagen. Die etablierte Agrarforschung lehnte es damals nicht nur glattweg ab, sich mit Biolandbau zu beschäftigen, sondern es wurde auch der Versuch unternommen nachzuweisen, dass Biologischer Landbau gar nicht funktionsfähig bzw. existent sei. Viele Proponenten biologischer und ökologischer Forschung betrachteten konsterniert insbesonders die Methoden des biologisch-dynamischen Landbaus, der ja definitionsgemäß nicht naturwissenschaftlich orientiert ist. Der weltanschauliche Konflikt den der Biologische Landbau auslöste, läßt sich in etwa mit drei Kurzstatements darstellen: „Alles Leben ist Chemie“, „Alle Landwirtschaft ist biologisch“ und „ausschlaggebend sind die feinstofflichen Kräfte für die Entstehung umfassender Qualitäten“. Das Institut ist damals mit der Zielsetzung angetreten, diesem ideologischen Wirrwarr fundierte wissenschaftliche Arbeit gegenüberzustellen, ohne Wertvorstellungen auszugrenzen oder zu verletzen.

Die Entwicklung des biologischen Landbaus wurde bis in die 80er Jahre von bäuerlichen Pionieren nahezu in Eigenregie durchgeführt, man hat diesen Menschen als Wissenschaftler daher mit Hochachtung gegenüberzutreten.

Insbesonders ist das Institut mit der Zielsetzung angetreten, mittels des Instruments „Ökologische Forschung“ einen Beitrag zur Optimierung (d.h. Weiterentwicklung und kontinuierliche Verbesserung) des Biolandbaus zu leisten. Nach 30 Jahren Tätigkeit ist dies noch immer eine der Grundsäulen. Nachdem der Begriff Ökologie heute sehr oft in nicht tolerierbarer Weise verwendet wird hier eine notwendige Klarstellung: Ökologie ist eine naturwissenschaftliche Forschungsdisziplin und weder Heilslehre noch Maßnahmenpaket. Sehr wohl kann man jedoch Erkenntnisse ökologischer Forschung für die Optimierung von Nutzungsstrategien wie z.B.  Landwirtschaft einsetzen. Inter- und transdiziplinäres Arbeiten ist dafür notwendig. Solche Ansätze wurden früher als unerlaubte Einmischung in streng abgegrenzte Fachgebiete aufgefaßt, heute bestreitet kaum noch wer die Notwendigkeit des vernetzten Denkens.

Das übergeordnete Thema ökologischer Forschung für den Biologischen Landbau heißt Ökosystem Kulturlandschaft“. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Art und Funktionalität der Kulturlandschaft mit der Art der Bewirtschaftung. Aus Kenntnis dieses Zusammenhanges kann ein Beitrag zur Optimierung der Bewirtschaftungsmethoden geleistet werden. Optimierung bedarf einer Zielsetzung.  Beispiel für eine grundlegende  Zielsetzung im Biolandbau: Bodenaufbau statt Bodenabbau durch Bewirtschaftung.

Ein weiterer Optimierungsansatz ist die Evaluierung von Bewirtschaftungsmethoden durch geeignete Versuchsanordnungen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Artenvielfalt. Biolandbau benötigt eine Artenvielfalt, welche die Bewirtschaftung unterstützt und nicht behindert. Die Kunst und Herausforderung im Biolandbau heißt daher bewirtschaftungsorientiertes Management der Artenvielfalt.

Landwirtschaft

Landwirtschaft wird von Menschen betrieben

Von großer Bedeutung für das Institut war und ist die direkte Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern. Gegenseitiges Lernen und Kennenlernen war und ist daher ein weiterer Grundsatz der Arbeit von BIO FORSCHUNG AUSTRIA. Der Wissenschafter kann von und in der Praxis sehr gut die betriebswirtschaftlichen Zugzwänge oder die Spezifika des Sozialgefüges ländlicher Räume kennenlernen, die starken Einfluß auf die Umsetzungsmöglichkeiten von Strategievorschlägen haben. Reale Menschen sind ebenso großartig, wenn es um die Evaluierung wissenschaftlicher Erkenntnisse geht. Für Agrarökologen sind Bauern weitaus bessere Evaluatoren, wie die sonst in der Wissenschaft üblichen Instrumente. Da Landwirtschaft von Menschen betrieben wird, geht es auch immer um Wertvorstellungen. Wertvorstellungen entziehen sich einer wissenschaftlichen Beurteilung, manchmal scheitern Optimierungsansätze nicht an rationellem Widerstand, sondern aufgrund nicht diskutierbarer Wertvorstellungen.

Urbane Gebiete

Auch urbane Gebiete sind Kulturlandschaften

Von Beginn an war (und ist) die Ausarbeitung ökologisch orientierter Nutzungsstrategien für urbane Gebiete Arbeitsgebiet des Instituts. Für den angewandten Ökologen unterscheiden sich urbane Gebiete von ländlichen Räumen durch die Art der Nutzung, sind ebenso durch Nutzungsmethoden entstandene Kulturlandschaften mit spezifischen Gesetzmäßigkeiten. In den Bereichen Abfallwirtschaft (Biotonnenkompostierung), Landschaftsgestaltung und Flächenwidmung wurden und werden gemeinsam mit der Wiener Stadtverwaltung Strategien entwickelt. Schließlich ist es eine aus ökologischer Sicht herzeigbare Maßnahme, wenn die Landwirtschaftsbetriebe der Stadt Wien biologisch wirtschaften und dabei Biotonnenkompost als Dünger verwenden.

Bildungsbeitrag

Ökologisch orientierte Strategien greifen immer nur so gut, wie es der Bewußtseinszustand aller Beteiligten zuläßt. Da heute in der Ausbildung Zusammenhangwissen stark vernachlässigt wird, war und ist es dem Institut ein Anliegen in Bildungseinrichtungen aller Art vernetztes Denken näher zu bringen, von der Pflichtschule bis zur Universität. Dazu gehören Fachreferate und Exkursionen ebenso, wie Vorlesungen an Universitäten und Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen. Ein besonderes Anliegen der BIO FORSCHUNG AUSTRIA ist, die für die Optimierung der biologischen Landwirtschaft wichtigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, den Bäuerinnen und Bauern so aufzubereiten und weiterzugeben, dass sie diese bei der Bewirtschaftung verwenden können.